Norderstedter Zeitung: Tut die Stadt genug für die Unternehmen?

Klare Antwort meinerseits: Leider nicht mehr. Früher gab es gute Standortvorteile: die Hamburger Telefonnummer., die Hamburger U-Bahn, die Nähe zu Hamburg, die niedrige Gewerbesteuer. So wurde manches Unternehmen überzeugt, von Hamburg nach Norderstedt zu wechseln.

 

Heute gibt es bei der Gewerbesteuer kaum noch Unterschiede und ist kein Entscheidungskriterium für eine Firmensitzverlagerung mehr. Ich finde es schade, dass Firmen aus „Steueroptimierungsgründen“ derzeit gezwungen sind, sich z.B. durch Gründung von Holdinggesellschaften der sozialen Verpflichtung, einen Beitrag an der Stadt zu leisten, entziehen müssen.

Es gibt sogar Nachteile, die eine Verlagerung des Firmensitzes von Hamburg nach Norderstedt unattraktiv machen. Die in Norderstedt lebenden Mitarbeiter müssen Kosten für Kita und Ganztagesschule von bis zu 500,- Euro aufbringen, in Hamburg gibt es keine Kitagebühren. Verantwortungsvoll agierende Arbeitgeber müssen die Kosten ihrer Mitarbeiter im Lohngefüge mit einkalkulieren. Dadurch steigen die Preise der Produkte und Dienstleistungen des eigenen Unternehmens, wenn man in Norderstedt seinen Firmensitz hat. Man verliert die globale Wettbewerbsfähigkeit.

Ein weiterer Nachteil für Betriebe liegt in der mangelnden Wettbewerbsfähigkeit der Stadtwerke Norderstedt bei Strom und Gas. Ich finde es schade, dass z.B. Stadtwerke aus Osterrode Norderstedter Betriebe jetzt mit Strom beliefern, da die Konditionen dort einfach attraktiver sind.

Der Verkehr sorgt für zusätzliche Kosten durch staubedingte unnötige Wartezeiten. Die Initiative „ Ostumgehung Hamburg" gibt es zwar vom ADAC, IHK und anderen, wird von Norderstedt aber nicht unterstützt. Seit Jahren fehlt ein inner- und außerörtliches umfassendes Verkehrskonzept, das den Entwicklungen Rechnung trägt und zukunftsfähig ist. In Norderstedt sind z.B. 5.000 neue Wohnungen im Garstedter Dreieck geschaffen worden, was rund 10.000 zusätzliche PKW nach sich zieht. Nicht nur hier wurde es versäumt, die Straßen den zusätzlichen Quell- und Zielverkehren anzupassen. Die fehlende Weitsicht der Stadtvertreter hatte bereits vor rund 10 Jahren verhindert, den längst überfälligen Autobahnanschluß Norderstedt zu bauen. Heute ist eine Umsetzung dadurch nicht leichter geworden.

Besonders für junge Mitarbeiter ist Norderstedt, wie immer wieder zitiert, nicht sexy. Neben bezahlbaren Wohnraum und „dünnen“ Freizeitangeboten fehlt auch ein durch die Stadt moderierter Technologietransfer der Universitäten für kleine und mittelständische Unternehmen. Es ist wichtig, dafür zu sorgen, dass die neuesten Forschungsergebnisse in die Produkte der Unternehmen einfließen, damit die dann im globalen Wettbewerb weiterhin brillieren können.