Wirtschaft in Norderstedt

Wirtschaft in Norderstedt

Inhabergeführte Unternehmen sind der Schlüssel für eine starke Stadt

Wenn die Medien von "Wirtschaft" sprechen, meinen Sie oft aktiennotierte Unternehmen, wie SIEMENS, VW, Daimler Benz, Deutsche Bank & Co. Diese Unternehmen sind volkswirtschaftlich irrelevant, da sie i.d.R. kaum Steuern zahlen und sich damit der sozialen Verantwortung in der Gesellschaft entziehen. Die Unternehmen Apple, Facebook und Co. nutzen dazu Steueroasen im Ausland und sind dadurch für Städte wie Norderstedt vollkommen unattraktiv.


Norderstedt zählt zu den jüngsten Städten in ganz Deutschland. Erst 1970 wurden aus den Gemeinden Harksheide, Friedrichsgabe, Garstedt und Glashütte mit 55.000 Einwohnern die Stadt gegründet. Schon bei der Namensgebung bewiesen die Stadtväter meiner Meinung nach Weitsicht und orientierten sich mit Norderstedt bewusst in Richtung Hamburg. Heute ist Norderstedt mit 79.585 Einwohnern die fünftgrößte Stadt im nördlichsten Bundesland.  

Früher gab es gute Standortvorteile: die HH Telefonnummer, die U-Bahn, die Nähe zu HH, eine niedrige Gewerbesteuer. Manches Unternehmen wurde überzeugt, von HH nach Norderstedt zu wechseln.
 

Rund 5.800 Unternehmen gibt es in Norderstedt, darunter auch Europazentralen von international agierenden Konzernen wie Casio, Tesa, Lufthansa, Jungheinrich, Heat-Gruppe u.a.

Heute gibt es bei der Gewerbesteuer kaum Unterschiede zu Hamburg (1,5%) und ist kein Entscheidungskriterium für eine Firmensitzverlagerung mehr. Die Nachbargemeinde Henstedt-Ulzburg brilliert immer noch mit einem deutlich günstigeren Gewerbesteuerhebesatz. Schade, dass Firmen aus "Steueroptimierungsgründen“ derzeit gezwungen sind, sich z.B. durch Gründung von Holdings der sozialen Verpflichtung, einen Beitrag an der Stadt zu leisten, entziehen müssen.

Es gibt sogar Nachteile, die eine Verlagerung von Hamburg nach Norderstedt unattraktiv machen. Mitarbeiter müssen Kosten für Kita und Ganztagesschule von bis zu 500 Euro aufbringen, in Hamburg gibt es keine Kitagebühren. Sozial verantwortungsbewußte Arbeitgeber müssen die Kosten der Mitarbeiter im Lohngefüge mit einkalkulieren, um im "Kampf um die besten Talente" weiter einen attraktiven Arbeitsplatz bieten zu können. Dadurch steigen die Preise der Produkte, wenn man in Norderstedt den Firmensitz hat. Betriebe haben hohe Fixkosten bei Strom und Gas. Schade, dass sie z.B. auf Stadtwerke aus Osterrode ausweichen und die Stadtwerke Norderstedt Gewerbekunden verlieren.

Der Verkehr sorgt für zusätzliche Kosten durch staubedingte unnötige Wartezeiten. Die Initiative „Ostumgehung Hamburg" gibt es zwar vom ADAC, IHK und anderen, wird von Norderstedt aber nicht unterstützt.

Besonders für junge Mitarbeiter ist Norderstedt nicht sexy. Neben bezahlbaren Wohnraum und „dünnen“ Freizeitangeboten fehlt auch ein von der Stadt moderierter Technologietransfer der Universitäten für kleine und mittelständische Unternehmen. Es ist wichtig, dafür zu sorgen, dass die neuesten Forschungsergebnisse in die Produkte der Firmen einfließen, damit die dann im globalen Wettbewerb weiterhin bestehen können.

Für die Zukunft ist es wichtig, dass Norderstedt eine dynamische Wirtschaftsentwicklung auch in der langfristigen Planung ausbaut. Eine starke Wirtschaft mit den "richtigen Unternehmen" bedeutet hohe Steuereinnahmen. Damit können wir Norderstedt als beliebten, infrastrukturstarken Wohn- und Arbeitsstandort stärken. Kurze Schul- und Arbeitswege, eine hohe Lebensqualität mit sportlichen, kulturellen und breit gefächerten Bildungsangeboten, gut erreichbare Einkaufsmöglichkeiten sowie eine gute medizinische Versorgung sind eine Garantie dafür, dass weiter Familien nach Norderstedt ziehen, anstatt sich nach Hamburg zu orientieren.

Im ALSTER BUSINESS CLUB favorisieren wir Philosophie des „Stakeholder“ Value. Sie setzt sich für den Ausgleich zwischen Unternehmern und Unternehmen sowie Mitarbeitern und gesellschaftlich Aktiven ein.

Mein Herz schlägt besonders für inhabergeführte Betriebe. Als Oberbürgermeister möchte ich mich dafür einsetzen, dass bei Ausschreibungen Norderstedter Unternehmen möglichst mehr berücksichtigt werden. Die relativ engen Vorgaben bei öffentlichen Ausschreibungen geben vor, dass immer das jeweils "wirtschaftlichste Angebot" zu berücksichtigen ist. In die Kalkulation müssten zusätzlich zu den veranschlagten Kosten, auch die Steuereinnahmen – welche ja der Stadt zu Gute kommen, wenn es ein Norderstedter Unternehmer ist – und die steigende Kaufkraft der Mitarbeiter vor Ort mit in die Beurteilung der Angebote einfließen. Und vielleicht gehen die Schülerinnen und Schüler besonders sorgsam mit den sanierten Schulgebäude um, wenn sie wissen, dass ihre Eltern mit gearbeitet haben.


Es sind Fragen offen geblieben? Bitte sprechen Sie mich an. Ich freue mich auf Ihre Anregungen.